Indikationen

Indikationen

Kern der Analysen des Arzneimittel-Atlas ist die Betrachtung des GKV-Arzneimittelmarktes nach Indikationsgruppen. Es werden jeweils die zehn Indikationsgruppen mit der höchsten Dynamik in Bezug auf Verbrauch und Innovation für eine detaillierte Darstellung der Analyseergebnisse ausgewählt. Im Folgenden wird eine kurze Einführung gegeben zu

  • der Zuordnung der Wirkstoffe zu den Indikationsgruppen
  • den innerhalb einer Indikationsgruppe dargestellten Ergebnissen und Informationen

Zuordnung der Wirkstoffe
Die Zuordnung der Wirkstoffe zu den Indikationsgruppen folgt der ATC-Klassifikation (Fricke et al. 2014a, b). Die Indikationsgruppe des Arzneimittel-Atlas entspricht dabei der therapeutischen Untergruppe der ATC-Klassifikation, bspw. die Gruppe A10 der Antidiabetika. Die Arzneimittel vieler Indikationsgruppen sind eindeutig einer einzigen Erkrankung zuzuordnen, wie bspw. die Antiparkinsonmittel (N04). Andere Indikationsgruppen umfassen Arzneimittel, die bei sehr verschiedenen Erkrankungen eingesetzt werden, wie bspw. die Immunsuppressiva (L04). In solchen heterogenen Indikationsgruppen werden Teil-Indikationsgruppen gebildet, die bestimmten Erkrankungen zuzuordnen sind oder Arzneimittel zusammengefasst, die in Konkurrenz zueinander stehen. Bei den Immunsuppressiva sind dies u. a. die Teil-Indikationsgruppen der Mittel bei Transplantation, der Immunsuppressiva bei Multipler Sklerose oder der unspezifischen Immunsuppressiva. Für die Arzneimittel in anderen Indikationsgruppen ist eine eindeutige Zuordnung zu bestimmten Erkrankungen nicht möglich. Dies gilt bspw. für die Antibiotika zur systemischen Anwendung (J01) oder die antineoplastischen Mittel (L01).

Innerhalb der Indikations- bzw. Teil-Indikationsgruppen sind die Arzneimittel ggf. verschiedenen Therapieansätzen zugeordnet, in denen Arzneimittel nach ähnlichen Wirkmechanismen zusammengefasst werden. Die Therapieansätze entsprechen häufig der chemischen Untergruppe der ATC-Klassifikation. Als Beispiele seien hier die Therapieansätze der platinhaltigen Verbindungen oder der Proteinkinase-Hemmer bei den antineoplastischen Mitteln (L01) genannt. Innerhalb der Therapieansätze gibt es keine weitere Untergliederung. Die unterste Ebene der Zuordnung ist der Wirkstoff, wie er durch einen einzelnen ATC-Kode definiert ist.

Da die Bildung der Indikationsgruppen streng der ATC-Klassifikation folgt, ist es unvermeidlich, dass bei einigen wenigen Erkrankungen die zur Behandlung eingesetzten Wirkstoffe auf mehrere Indikationsgruppen verteilt sind. Dies ist für die Arzneimittel zur Behandlung der Multiplen Sklerose der Fall, die – je nach pharmakologischer Wirkung – den Indikationsgruppen L03 (Immunstimulanzien), L04 (Immunsuppressiva) und N07 (Andere Mittel für das Nervensystem) zugeordnet sind.

Analysen in den Indikationsgruppen
Die Analysen bzw. Betrachtungen für jede Indikationsgruppe folgen nach Möglichkeit einem einheitlichen Schema. Die Darstellung ist gegliedert in die vier Ebenen

  • Indikationsgruppe
  • Teil-Indikationsgruppe
  • Therapieansatz
  • Wirkstoff

Folgende Themen werden betrachtet:

  • Die pharmakotherapeutische Übersicht zeigt die Gliederung der Indikationsgruppe in Teil-Indikationsgruppen, Therapieansätze und Wirkstoffe.
  • Innovation gibt eine Übersicht zu den in den letzen fünf Jahren neu eingeführten Wirkstoffen auf den Ebenen Indikationsgruppe, Therapieansatz und Wirkstoff.
  • Angaben zum Verbrauch in DDD (defined daily dose bzw. definierte Tagesdosis) werden auf Ebene der Indikations- und Teil-Indikationsgruppe sowie für die zehn Wirkstoffe mit dem höchsten Verbrauch gemacht. Die Mengen entsprechen den Verordnungen, die im genannten Zeitraum ambulant in Apotheken zulasten der GKV abgegeben wurden.
  • Angaben zu den Ausgaben werden auf Ebene der der Indikations- und Teil-Indikationsgruppe sowie für die zehn Wirkstoffe mit dem höchsten Umsatz gemacht. Soweit nicht anders angegeben, beziehen sich die Ausgaben auf Erstattungspreise, berücksichtigen also Rabatte der Hersteller und Apotheken.
  • Auf Ebene der Indikationsgruppe werden Bedarf und Versorgung untersucht. D. h., auf Basis von Angaben aus der Literatur oder geeigneten Datenbanken wird modelliert, wie hoch die Zahl der Patienten mit Behandlungsbedarf ist. Anhand des tatsächlichen Verbrauchs wird berechnet, wie groß die Zahl der behandelbaren Patienten war, wie viele Patienten also theoretisch mit der abgegebenen Menge unter den getroffenen Annahmen hätten behandelt werden können.
  • Angaben zu den Top 10-Wirkstoffen in Bezug auf Verbrauch und Umsatz sind von allen Ebenen aus zugänglich.
  • In den Meilensteinen wird die historische Entwicklung der Indikationsgruppe umrissen. Die Meilensteine sind auf den Ebenen Indikationsgruppe und Wirkstoff zugänglich.
  • Für jede Indikationsgruppe zeigt eine Karte regionale Unterschiede im Verbrauch.
  • Die Darstellungen zu den Komponenten der Ausgabenänderung beschreiben das Herzstück der Analysen des Arzneimittel-Atlas. Hier wird für jede Indikationsgruppe beschrieben, welche Auswirkungen Verbrauchs- und Preisänderungen sowie die Strukturkomponenten im Vergleich zum Vorjahr auf die Ausgabendifferenz haben. Die Darstellung der Komponenten ist von den Ebenen Indikationsgruppe, Therapieansatz und Wirkstoff aus möglich.
  • In einem Fazit werden die wesentlichen Punkte in Bezug auf Verbrauch, Innovation und Preis für jede Indikationsgruppe zusammengefasst. Das Fazit ist von jeder Ebene aus erreichbar.

Literatur

  • Fricke U, Günther J, Zawinell A, Zeidan R (2014a) Anatomisch-therapeutisch-chemische Klassifikation mit Tagesdosen für den deutschen Arzneimittelmarkt. ATC-Index mit DDD-Angaben. Hrsg. vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO), Berlin.
  • Fricke U, Günther J, Zawinell A, Zeidan R (2014b) Anatomisch-therapeutisch-chemische Klassifikation mit Tagesdosen für den deutschen Arzneimittelmarkt. Methodik der ATC-Klassifikation und DDD-Festlegung. Hrsg. vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO), Berlin.