Verbrauch von antithrombotischen Mitteln

Quelle: IGES-Berechnungen nach AVR (1996-2002) NVI (Insight Health) (ab 2003)

Antithrombotische Mittel werden sehr häufig verordnet. Im Mittel erhielt 2014 jeder GKV-Versicherte gut 25 DDD.

Der Verbrauch von antithrombotischen Mitteln hat sich im Beobachtungszeitraum mehr als verfünffacht. 2014 lag der Verbrauch bei 1,76 Mrd. DDD. Die Verbrauchskurve verläuft zweiphasig. Zunächst ist bis 2003 ein steiler Anstieg zu beobachten, gefolgt von einem Einbruch im Jahr 2004. Dieser Einbruch ist darauf zurückzuführen, dass seit 2004 rezeptfreie Arzneimittel nur noch in bestimmten Fällen erstattet werden. Dies betrifft auch die Acetylsalicylsäure (ASS), die standardmäßig bei akutem Koronarsyndrom oder nach Herzinfarkt eingesetzt wird. Zwar ist der Wirkstoff bei dieser Behandlungsindikation erstattungsfähig, doch wird das Mittel in vielen Fällen von den Patienten selbst bezahlt.

Ab 2005 steigt der Verbrauch wieder an, zunächst mit niedrigen Steigerungsraten. Ab 2010 wird der Verbrauchsanstieg steiler, und der Verbrauchszuwachs erreicht 2014 mit 172 Mio. DDD ein Maximum in der Phase ab 2004. Die Wachstumsrate lag 2014 bei 10,8 %. Das in den letzten Jahren beobachtbare Wachstum ist vor allem auf die neuen oralen Antikoagulanzien (NOAKs) zurückzuführen, deren Verbrauch seit dem Jahr 2012 massiv steigt: 2012 lag der Zuwachs dieser Wirkstoffe bei 48 Mio. DDD, in den Jahren 2013 und 2014 bei 121 bzw. 132 Mio. DDD. Als wichtigste Ursache ist die Zulassung für die Anwendung zur Schlaganfallprophylaxe bei Vorhofflimmern (SPAF) zu nennen. Hier standen bis dahin nur die Vitamin-K-Antagonisten und ggf. ASS zur Verfügung. Die Anwendung von Vitamin-K-Antagonisten erfordert ein kontinuierliches Monitoring der Blutgerinnung und bei Bedarf eine Anpassung der Dosierung von Vitamin-K-Antagonisten. Dieses Monitoring ist bei den NOAKs nicht erforderlich und stellt somit eine Vereinfachung der Anwendung da. Der Verbrauch von Vitamin-K-Antagonisten ist in den letzten beiden Jahren nur marginal zurückgegangen. Dies ist als ein Anzeichen dafür zu werten, dass die NOAKs vor allem bei Patienten eingesetzt werden, bei denen eine Indikation zur Blutgerinnungshemmung besteht bzw. bestand, man jedoch Vitamin-K-Antagonisten nicht anwenden wollte. Das heißt, durch die NOAKs kann ein offener Bedarf gedeckt werden.