Die Komponenten der Ausgabenänderungen im Überblick

IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health)

Die Komponentenzerlegung erfolgt auf Basis der Erstattungspreise für Fertigarzneimittel bzw. der Taxpreise für Zubereitungen. Für zehn verschiedene Komponenten werden Ausgabenveränderungen für die Versichertengemeinschaft ermittelt, welche sich aus den Mengen-, Struktur- und Preisänderungen ergeben haben. Gegenübergestellt wird die Entwicklung 2014 vs. 2013 der Entwicklung 2013 vs. 2012.

Das Bild der Veränderung weicht 2014 in einigen Komponenten vom Berichtsjahr 2013 ab. Am auffälligsten ist die Preiskomponente durch die Rücknahme der höheren Herstellerabgaben, doch es zeigt sich auch eine deutliche Zunahme durch die Verbrauchskomponente und die Innovationskomponenten (Therapieansatz- und Analogkomponente).

Im Jahr 2014 betrugen die Arzneimittelausgaben für Fertigarzneimittel und Zubereitungen auf Basis der Erstattungs- und Taxpreise 31.652 Mio. Euro. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies ein deutlicher Anstieg von 2.756,2 Mio. Euro.
Der Ausgabenanstieg, welcher durch die Verbrauchskomponente erklärt werden kann, fiel 2014 mit 1.289,1 Mio. Euro deutlich höher aus als im Vorjahr. Der steigende Verbrauch von Arzneimitteln war also weiterhin die stärkste positive Triebkraft auf die Ausgabenentwicklung. Ursache dafür waren insbesondere ein weiterhin hoher Bedarf an Mitteln zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis und der Multiplen Sklerose, aber auch die gestiegene Zahl an Versicherten.

Die Komponente „Therapieansatz“, ein Indikator für Neuentwicklungen in der Therapie, wuchs mit einem Wert von 915,4 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls deutlich. Im Vergleich zu den Vorjahren hatte die Bedeutung der Komponente damit noch einmal zugenommen. Stärkste Treiber waren neue Therapieansätze zur Behandlung von Hepatitis C, Krebs und Vorhofflimmern.
Gleiches galt für die Komponente „Analog-Wettbewerb“. Der angezeigte Ausgabenanstieg mit einem Wert von 364,4 Mio. im Jahr 2014 bedeutet eine Verdoppelung des im Vorjahr beobachteten Ausgabenanstiegs. Auch hier fanden Verschiebungen zu teureren Wirkstoffen insbesondere bei antiviralen Mitteln und der Krebsbehandlung statt.

Im Jahr 2014 gab es geringfügige Ausgabensteigerungen durch Wechsel auf günstigere Darreichungsformen. Mit 7,8 Mio. Euro war der Anstieg 2014 etwas größer als 2013.

Die Komponente „Wirkstärke“ blieb auch 2014 positiv und führte zu Mehrausgaben von 66,7 Mio. Euro. Dies bedeutete, dass in Summe über alle Indikationsgruppen die Ausgabensteigerungen durch Verschiebungen zu vergleichsweise teureren Wirkstärken höher waren als die Einsparungen durch umgekehrte Verschiebungen in anderen Indikationsgruppen. Es fiel keine Indikationsgruppe durch auffallend hohe Ausgabensteigerungen oder Einsparungen bedingt durch diese Komponente auf.

In Bezug auf die Komponente „Packungsgröße“ hielt der Trend zu größeren Packungen an, und gegenüber dem Vorjahr blieb die Entwicklung gleich. Im Jahr 2014 wurden Einsparungen von 28,0 Mio. Euro erzielt.

Der Effekt der Parallelimporte war 2014 ebenfalls unverändert. Sie trugen 2014 mit 65,5 Mio. Euro zu den Einsparungen bei. Zum einem nahm der Anteil von Parallelimporten bei patentgeschützten Arzneimitteln von 9,8 % (2013) auf 14,7 % (2014) zu. Zum anderen ergaben sich Einspareffekte aber auch daraus, dass Parallelimporte des Originals durch günstigere Generika ersetzt wurden (z. B. im Falle der Anticholinergika Tiotropium bromid und Glycopyrroniumbromid).

Die Generikakomponente trug 2014 mit -305,1 Mio. Euro erheblich zu den Einsparungen bei und war damit wie im Vorjahr der größte strukturelle Einspareffekt. Die Einsparungen wurden durch den Wechsel von teureren Originalen auf günstigere Generika erreicht. Erwähnenswert ist, dass es 2014 keine „großen“ Patentausläufe gab, d. h., es waren vor allem Wirkstoffe mit nicht so hohen Umsätzen und Wirkstoffe mit Patentausläufen in den Vorjahren betroffen, für die sich die Einsparungen 2014 manifestierten.
Die Einsparungen ausgedrückt durch die Herstellerkomponente betreffen ebenfalls überwiegend Generika und fielen 2014 mit 233,5 Mio. Euro ebenfalls geringer aus als 2013, lagen aber im Vergleich zu den Vorjahren immer noch auf einem relativ hohem Niveau. Für die Einsparungen spielten auch die Rabattverträge eine Rolle, denn der Wechsel von nichtrabattierten Arzneimitteln auf rabattierte mit günstigeren Erstattungspreisen führte zu entsprechenden strukturellen Einsparungen.

IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health)

Die Preiskomponente war 2014 mit 795,3 Mio. Euro deutlich positiv. Hauptursache dafür war das Auslaufen des erhöhten Herstellerabschlags von 16 % nach § 130a Abs. 1a. SGB V. Wäre dieser Abschlag unverändert geblieben, dann hätte eine geschätzte Preiskomponente von -160,9 Mio. Euro erwartet werden können. Gemessen am Listenpreis (AVP) gingen die Preise der Unternehmer im Schnitt zurück. Auch der Markt für die individuellen Rabatte nach § 130a Abs. 8 SGB V war in Bewegung. Die Höhe der geleisteten individuellen Rabatte und das Umsatzvolumen unter Rabatt nahmen 2014 zu. Für die Interpretation der Preiskomponente ist aber zu berücksichtigen, dass die Preissenkung des neuen Vertragspartners einen geringeren Effekt auf die Komponente hat als die Preissteigerung des alten Vertragspartners in Folge des nicht mehr geleisteten Rabattes. D. h., der Austausch alter durch neue Rabattverträge mit neuen Partnern schlägt sich in der Preiskomponente mit geringeren Einsparungen nieder. Diese Einsparungen werden vielmehr als eine strukturelle Verschiebung im Markt erfasst.