Betrachtung des Marktes für Individualrabatte

Die individuellen Rabattverträge nach § 130a Abs. 8 SGB V sind mittlerweile ein etabliertes Instrument in der Arzneimittelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), das in seiner Bedeutung als Sparinstrument auch 2014 weiter zunahm.

Im Jahr 2014 wurden Arzneimittel mit einem Umsatz (nach Apothekenverkaufspreis) von insgesamt 10.755,3 Mio. Euro im Rahmen von Rabattverträgen abgegeben. Gegenüber dem Vorjahr war dies ein Anstieg von 576,6 Mio. Euro.

Die Betrachtung des Rabattmarktes erfolgt auf Basis des Umsatzes nach Apothekenverkaufspreisen (AVP). Ein Vergleich des Marktes mit und ohne Rabattverträge auf Basis der Erstattungspreise würde zu einer relativen Unterschätzung der Bedeutung von Rabattverträgen führen. Des Weiteren erfolgt die Betrachtung nur für den Bereich der Fertigarzneimittel.

Anteil rabattierter Fertigarzneimittel am Fertigarzneimittelumsatz und durchschnittlicher Rabatt nach Kassenart im Jahr 2014

Kassenart Umsatz rabattierter Arzneimittel (Mio. Euro) Anteil am Gesamtumsatz (%) Verbrauch rabattierter Arzneimittel in DDD (Mio.) Anteil am Gesamtverbrauch (%) Durchschnittlicher Rabatt auf AVP
EKK 4.241.2 33.7 8.622.4 60.6 26.9%
AOK 4.045.8 28.8 10.024.0 59.0 32.0%
BKK 1.423.6 30.4 3.137.6 56.1 25.6%
KBS 463.2 39.1 1.162.4 67.9 25.8%
IKK 459.6 20.7 992.4 38.4 41.8%
LKK 121.9 31.2 326.7 57.7 31.5%
ohne Zuordnung 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0%
Summe 10.755.3 30.1 24.265.5 57.6 26.4%

AOK: Allgemeine Ortskrankenkassen, BKK: Betriebskrankenkassen, EKK: Ersatzkrankenkassen, IKK: Innungskrankenkassen, KBS: Knappschaft inkl. See-Krankenversicherung, LKK: Landwirtschaftliche Krankenkasse. Ohne Zuordnung: Kostenträger unbekannt und sonstige Kostenträger.

Quelle IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health)

Die Bestimmung des durchschnittlichen Rabattes für das Berichtsjahr erfolgte auf Basis der amtlichen Statistik KV45 (vorläufige Rechnungsergebnisse der GKV) des Bundesministeriums für Gesundheit. Danach verbuchten die Kassen im Jahr 2014 3.150,3 Mio. Euro an Rabatten durch individuelle Verträge. Bezogen auf die Umsätze individualrabattierter Arzneimittel ergab dies einen Rabatt von 29,3 % auf den AVP. Der geleistete Rabatt blieb damit gegenüber dem Vorjahr (29,2 %) fast unverändert.
Da der individuelle Rabatt allein durch den Hersteller geleistet wurde, war aus seiner Sicht der prozentuale Abschlag je Verordnung noch höher. Gemessen am Abgabepreis des pharmazeutischen Unternehmers (ApU) betrug der Umsatz unter Rabatt im Jahr 2013 5.510,7 Mio. Euro. Daraus resultierte ein durchschnittlich geleisteter Rabatt durch die Hersteller von 57,2 %. Im Jahr 2013 lag diese Quote noch bei 57,0 %.

Nach Kassenarten betrachtet hatte auch 2014 die Knappschaft Bahn See (KBS) den höchsten Anteil von Arzneimitteln unter Rabatt sowohl nach Umsatz (39,1 %) als auch nach Verbrauch (67,9 %). Bei den Innungskassen (IKK) war die Quote mit 20,7 % konstant; aber weiterhin deutlich unterhalb des GKV-Durchschnitts, gleiches galt für den Verbrauch mit 38,4 %. Das geringe Niveau war weiterhin auf eine einzelne Kasse des IKK-Systems und eine Untererfassung in der Apothekensoftware zurückzuführen. Ohne diese Kasse hätten auch die IKKen eine Rabattquote von 60,0 % des Verbrauchs erreicht. Erstmals erreichten die Ersatzkassen mit 4.241 Mio. Euro ein größeres Umsatzvolumen unter Rabatt als die AOKen (4.045,8 Mio. Euro). Gemessen am Verbrauch hatten die AOKen aber mit 10.024,0 Mio. DDD weiterhin das größte Volumen unter Rabatt.