Übersicht Gesamtmarkt

Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 2014
Im Jahr 2014 kam es zu einem Anstieg der Ausgaben um 10,1 % (bzw. 3.060 Mio. Euro) auf 33.357 Mio. Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für Arzneimittel nach der Statistik des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). Dies war der größte Anstieg seit 2005.

Der Analyse des Arzneimittel-Atlas liegen die NationalenVersorgungsInformationen (NVI) von INSIGHT Health zugrunde. Nach dieser Marktabgrenzung stiegen die Ausgaben für Fertigarzneimittel und Zubereitungen aus Fertigarzneimitteln um 9,5 % (bzw. 2.756 Mio. Euro) auf 31.625 Mio. Euro.

Dieser starke Ausgabenanstieg hatte mehrere Ursachen:

  • Im Jahr 2014 kam zu einem hohen preisbedingten Anstieg von 795,3 Mio. Euro. Hauptursache dafür war das Auslaufen der im August 2010 eingeführten höheren Herstellerabgaben von 16 % auf Grundlage des „Gesetzes zur Änderung krankenversicherungsrechtlicher und anderer Vorschriften“ (GKV-ÄndG) zum 31. Dezember 2013. Ohne diesen Sondereffekt wären die Ausgaben preisbedingt um 160,9 Mio. Euro zurückgegangen.
  • Verbrauchssteigerungen gab es vor allem im Bereich der Immunsuppressiva und bei neuen Wirkstoffen zur Behandlung der Multiplen Sklerose. Für den gesamten GKV-Markt ergab sich ein verbrauchsbedingter Ausgabenanstieg von 1.289,1 Mio. Euro. Von diesem Anstieg waren schätzungsweise 196 Mio. Euro auf den relativ starken Anstieg (0,6 %) der Versichertenzahlen zurückzuführen.
  • Innovative therapeutische Ansätze wie Sofosbuvir zur Behandlung der Hepatitis C, Tyrosinkinase-Hemmer in der Krebsbehandlung und direkt wirkende Faktor-Inhibitoren (NOAKs: neue orale Antikoagulantien) zur Vorbeugung der Thrombenbildung führten insgesamt zu einem Ausgabenanstieg von 1.279,8 Mio. Euro.
  • Die Einsparungen durch die Verschreibung günstiger Generika und die Abgabe rabattierter Arzneimittel lagen bei 608,0 Mio. Euro. Die Kompensation auf die positiven Ausgabeneffekte war damit geringer als in den Vorjahren.
Quelle: BMG (KJ1, KV45/ Stand 6.3.2015), IGES-Berechnungen

AVWG = Gesetz zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit in der Arzneimittelversorgung
GKV-WSG = Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs in der Gesetzlichen Krankenversicherung
GKV-ÄndG = Gesetz zur Änderung krankenversicherungsrechtlicher und anderer Vorschriften
AMNOG = Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes in der gesetzlichen Krankenversicherung
13./14. SGB V ÄndG = Dreizehntes Gesetz zur Änderung des Fünften Buches Sozialgesetzbuches/ Vierzehntes Gesetz zur Änderung des Fünften Buches Sozialgesetzbuches

Der Übergang von 2013 nach 2014 war geprägt von der Debatte über die Fortführung der Regelungen des GKV-ÄndG, welches im August 2010 in Kraft getreten war. Bis zum 31.12.2013 galt ein Herstellerabschlag von 16 % für Arzneimittel ohne Festbetrag und ein allgemeines Preismoratorium. Der Gesetzgeber entschied sich dazu, das Preismoratorium bis Ende 2017 zu verlängern (ausgenommen sind Arzneimittel unter Festbetrag). Die Erhöhung des Herstellerrabatts um 10 Prozentpunkte (§ 130a Abs. 1a SGB V) lief aus, der Herstellerrabatt von 6 % (§ 130a Abs. 1 SGB V) wurde fortgeführt und für patentgeschützte Arzneimittel zum 01.04.2014 um einen Prozentpunkt auf 7 % erhöht.

Eine weitere wichtige Änderung mit direkten Folgen für die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung betraf die im Anschluss an die frühe Nutzenbewertung verhandelten Preise: Seit dem 01.04.2014 wurde das verhandelte Ergebnis nicht mehr als Rabatt erfasst, sondern direkt in den Abgabepreis des pharmazeutischen Unternehmers eingepreist. In Folge reduzierten sich damit auch die prozentualen Vergütungen für Großhandel und Apotheken. Die so durch die frühe Nutzenbewertung erzielten Einsparungen reichten aber nicht aus, um die Mehrausgaben durch die Absenkung des Herstellerabschlages auszugleichen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Markt, für den bislang Erstattungsbeträge verhandelt wurden, sehr viel kleiner war als der von Herstellerabgaben betroffene Markt.

Im Arzneimittel-Atlas erfolgt die Darstellung der Ausgabenentwicklung für Fertigarzneimittel auf Basis der Erstattungspreise und für die Zubereitungen aus Fertigarzneimitteln auf Basis der Taxwerte. Das heißt, bei Fertigarzneimitteln werden alle von Herstellern und Apotheken gewährten Abschläge und Rabatte nach § 130, § 130a Abs. 1, 1a, 3a, 3b und 8 und § 130b SGB V berücksichtigt. Lediglich die Zu- und Aufzahlungen der Patienten konnten nicht eingerechnet werden, da sich Informationen über erlassene Zuzahlungen wegen Überschreitung der Belastungsgrenze nach § 62 SGB V nicht der einzelnen Verordnung zuordnen lassen. Die Ausgaben für Zubereitungen aus Fertigarzneimitteln ergeben sich aus den ausgewiesenen Taxpreisen, d. h. hier sind die spezifischen Abschläge und Vergütungen für Zubereitungen betreffend die Apotheken berücksichtigt.
Die hier berichteten Erstattungspreise (und Taxpreise) spiegeln somit den arzneimittelbezogenen Betrag wider, welcher von den Krankenkassen erstattet und von den Patienten gezahlt wird.